Chronik


150 Jahre

1862 – 2012

Rede von Albin Reichert anläßlich der  150-Jahr-Feier des Sportbundes Versbach

Chronik Sportbund Versbach von der Gründung 1862 bis Heute


Sehr geehrte Damen und Herren, werte geladene und ungeladene Festgäste, liebe Vereinsmitglieder und solche die es noch werden wollen!

Es handelt sich hier bei dieser Chronik um eine Besonderheit, denn es ist die Historie von gleich drei, ehemals selbständigen Vereinen entsprechend unterzubringen. Das gibt’s nicht alle Tage, und als Chronist hat man hier nun die Qual der Wahl, und den Schwarzen Peter, in einem Fünfminutenabriss alle wichtigen Daten und Ereignisse aller Beteiligten ausgewogen aufzuzeigen, ohne hierbei den einen oder anderen, das eine oder andere zu vergessen, oder außen vor zu lassen. Denn, wenn du als Chronist was vergisst, war es immer wichtig und du bist Schuld.

Ich werd’s ertragen können. Bitte aber schon jetzt um etwas Nachsicht.

Aus gutem Grund werde ich auf Namensnennungen weitgehend verzichten, weil nicht alle, die zu nennen wären, da sind aber wichtig waren, sonst stünden wir hier und heute nicht da und könnten feiern.

Ich hoffe nur es möge mir irgendwie gelingen, den rechten Bogen zu schlagen.

Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann in Anbetracht der mir eingeräumten Redezeit deshalb bei bestem Willen nicht erhoben werden. Nach mir wollen und werden noch andere das Wort ergreifen, die wichtiger sind als ich.

Packen wir’s also an:

Die Chronik!

1862 vor 150 Jahren also – und sage und schreibe auf den Tag genau – datiert das Genehmigungsschreiben des kgl. Bezirksamtes Würzburg mit folgendem Text:

„An den Gemeindevorsteher von Versbach… Die Bildung eines Turnvereins betreffend…  Nach Anzeige des Georg Adam Ringelmann und Genossen hat sich in Versbach ein Turnverein gebildet, als dessen Sprecher Ersterer zur Zeit fungiert. Usw. usw.

Würzburg, den 19. August 1862

Kgl Bezirksamt

Weinbach Assisdent“

wohlgemerkt mit weichem D – fränkisch halt!

Unser Geburtstagskind wird also heute auf den Tag genau 150 Jahre alt. Gründungsmitglieder sind, wie ich sehe, leider keine mehr unter uns, also ergeht alles Weitere aus den Büchern.

Es handelte sich anfangs um einen reinen Turnverein in dem gestandene Männer sich im Sinne der Vorgaben des Turnvaters Jahn körperlich ertüchtigten. „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. Man wollte weiterkommen, trat dem Bayerischen Turnerbund bei, kaufte ein eigenes Grundstück.

1899

wurde die Turnriege 1. Sieger am Reck beim Gauturnfest in Rottendorf. Vielleicht war ein Vorfahre von Fabian Hambüchen dabei??

1908

war der Beginn der Fußballspielerei in Versbach. Los ging’s droben am sog. Sausee, heute die einzige Streuobstwiese Würzburgs. Dann am „Alten Sportplatz“ und später drunten in der Rimparer Straße. Jetzt wieder droben am Maidbronner Weg. Ein ständiges Auf und Ab. Wie auch im richtigen Sportbetrieb.

1911

Der Radsport – lange Zeit im Angebot des Vereins – nahm seine Tätigkeit auf. Kunstradfahrer und Radballer sorgten lange Zeit für herausragende Platzierungen bei den Meisterschaften in Bayern, Süddeutschland und auf Deutschen Meisterschaften.

1921

hört hört! Emanzipation in Versbach, die erste Damenriege…

…und auch schon einen Spielmannszug gab’s, den einzigen im Turngau Würzburg.

1938

erturnten sich Bastl Ringelmann und Michael Schäflein jeweils Siege auf dem Dt. Turnfest in Breslau, die bis dato wohl größten Erfolge in der Vereinsgeschichte.

Der Weltkrieg brachte das Sportgeschehen ab 1942 zum Erliegen. An die vermissten und gefallenen Sportkameraden erinnert noch heute ein Gedenkstein im vereinseigenen Anwesen.

1945

nach dessen Ende schlossen sich auf Anregung des damaligen Bürgermeisters alle Versbacher Sportler dem Turn- und Sportverein Versbach an. Es wurde wieder geturnt, Faustball, Fußball gespielt.

Das Sportangebot wurde erweitert. Tischtennis, 1948 gegründet, war ab 1952 fester Bestandteil des Vereins. Auch schon 60 Jahr her. Eine sehr rührige Abteilung die mit den Deutschen Pokal-Meisterschaften in den Jahren 2002 bis 2005 auf Verbandebene ihre vielen sportlichen Erfolge krönte.

Der Sportplatz wurde gebaut, im Norden Versbachs Richtung Rimpar am Bach .

1953

Am 13.01.1953 gründete sich, unter Unterstützung des damaligen Ortspfarrers und Verfassers des Versbacher Heimatliedes, Pfarrer Johann Herrmann, die DJK Versbach.

Den Grund der Vereinsgründung, nachzulesen auf Seite 17 der Festschrift habe ich mir geschenkt, die Zeiten haben sich Gott sei Dank geändert. Die DJK nahm den Fußballsportbetrieb auf. Gespielt wurde auf dem sog. „Alten Sportplatz“ am Maidbronner Weg. Auch der Leichtathletik wurde kurze Zeit gefrönt und man erzielte sportliche Erfolge beim Diözesansportfest 1953 in Schweinfurt. Auch Faustball wurde angeboten, Tischtennis zum Leben erweckt, nun war Konkurrenz im Dorf. Ich muss sagen es war ja kein Schaden. Kameradschaftlich, aber auch heiß ging’s bei sog. Derbys immer zu.

Das Rochusfest, als feste Einnahmequelle wurde erstmals

1967

vom TSV ausgerichtet. Damals noch auf dem Gelände vor dem Sportplatz an der Rimparer Straße. Mit dem Umzug in östliche Gefilde, weit ab von Bevölkerung, und Dank einzelner, dem Gemeinwohl wohl nicht ganz so aufgeschlossener Mitbürger ist es mehr oder minder zurzeit in einen „Dornröschenschlaf“ verfallen. Aber unsere geliebte Heimatstadt Würzburg mit all ihren Verantwortlichen, als eigentliche Ausrichterin diese Festes, wird bestimmt auch hier über kurz, aber ich glaube besser erst über lang für Abhilfe sorgen. Da bin ich mir …..ja sicher.

Weiter geht’s, die Vereinsfamilie wächst. Was lange währt wird endlich gut. Das Faschingstreiben, schon lange ein fester Bestandteil im Vereinsgeschehen, und weit über die Grenzen Versbachs hinaus bekannt, wurde nun in der Faschingsgesellschaft, gegründet 1961,

1972

offiziell Mitglied in der Vereinsfamilie. 1987 wird der erste Vaschbocher Läushämmel präsentiert. Deutsche Vizemeister bei den Junioren wurde das Tanzpaar der FG in der letzten Session. Ein toller Erfolg.

Parallel dazu ist auch noch die Gründung des Spielmannszugs zu vermelden. Ein fester Bestandteil im Vereinsleben. Heute unter neuem Namen: music- and drumcorps Versbach oder wer’s ganz cool möchte: madcV.

Versbacherischer geht’s gar nicht. Aber die Jungen wollen heute nicht mehr im Gleichschritt marschieren, sondern sie pflegen Marching. Das gleiche wie marschieren nur amerikanisch halt. Das Musikangebot hat

sich geändert, früher Marschmusik mit hartem Drill heute Hauptsach laut und etwas schrill. Aber war’s bei uns anders als wir jung waren?

1980

gründete die DJK die Tennisabteilung ,welche sich mit Erfolg und viel Engagement am Maidbronner Weg ihr Domizil einrichtete und dort ihren Sport betreibt. Der Graf-Becker-Stich- und Steeb-Boom hatte auch in Versbach seine Wirkung gezeigt.

Auch über eine Handballabteilung freute man sich. Schach zu spielen war und ist noch heute ebenfalls möglich. Hervorragende sportliche Erfolge konnten vermeldet werden.

1983

wurde der erste Kunstrasenplatz Würzburgs in Versbach verlegt, was schließlich auf Grund der Mehrfachlinierung und der mangelnden Integrationsfähigkeit führender Funktionäre im Verein, aber auch in Verbänden, zu Abspaltung der Fussballabteilung führte. Dass heute noch dieser Sport im Verein angeboten und wieder mit Erfolg praktiziert wird ist der Verdienst einiger übriggebliebener Mitglieder. Aber wie über alles im Leben wuchs auch über diese Sache Gras wie man so schön sagt und was zum Fussballplatz passt. Und das ist gut so.

Man ging an die Planung einer Dreifachturnhalle heran. 1991 wurde die Planungs – Konzeption vorgestellt. Es war und ist nicht die einzige. Aber es blieb bei der Planung, und so wie ich es sehe bleibt es auch bei dieser. Ich kann mich da noch an die zumindest mündlich Zusage maßgeblicher Würzburger Mandatsträger aus den Reihen der Stadtverwaltung gut erinnern.

Ich schon….!

Seit

1985

ist auch der japanische Karatesport in die Vereinsfamilie eingezogen. Sie stellt mit 100 Mitgliedern heute eines der größten Dojos im Raum Mainfranken.

1987

Die Xanxgrubbe, der Männerchor der Faschingsgesellschaft beginnt zu singen und singt heute noch. Der Chor hat sich zwischenzeitlich zu einem tollen Klangkörper entwickelt der nicht nur in Versbach gefragt ist. Heuer feiern die Sänger im Oktober ihr 25-jähriges Bestehen.

1995

dann ein ganz wichtiger Termin im Vereinsgeschehen der Vereine:

Die Geburtsstunde des Sportbund Versbach.

Der ehemals eigenständige TSV 1862 e. V. Versbach, die DJK Versbach von 1953 und der 1. Sport-Kegel-Club verschmolzen, nach langen Verhandlungen, in den Sportbund Versbach.

Nach dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ eine bewundernswerte Entscheidung, welche auch auf höchster Würzburger politischer Ebene hohe Anerkennung fand, mit Schulterklopfen versehen und gutgeheißen wurde. Aber leider, wie so oft bei der Politik, auch nicht mit mehr.

1999

der bislang höchste Mitgliederstand 2.016 Mitglieder

heute? Ich weiß es lieber erst gar nicht, die Zeiten ändern sich, die meisten wissen was ich meine. Stadtnähe, Fitnessstudios, moderne Folterkammern und immer verrücktere sog. Fit- oder Wellnessangebote, gesund oder nicht, sind eine große Konkurrenz. Die X-Box-, Nintendo-, und Playstation-Kinder sind da. Leider.

Trendsport wie Jonglieren, Volleyball, Basketball, ja sogar American Football waren zeitweise im Angebot. Heute beweist der Verein dass er mit Zumba, das ist die Kombination von Aerobic und hochintensiven Latindance, internationalen Rhythmen und Kampfsport sein Angebot immer den neuesten Anforderungen anzupassen vermag.

Es geht weiter in der Chronik. Das nach dem Zusammenschluss in eineinhalbjähriger Bauzeit, dank beeindruckender Eigenleistung entstandene Sportgelände am Maidbronner Weg, wird im Jahr

2000

eingeweiht. Die „Franz-Glückert“-Anlage!

Eine Vorzeigeanlage.

Kein Verein ohne Fahne. Die neue moderne Sportbundfahne wird ebenfalls im Jahr 2000, gestaltet nach Auswahl aus vielen Vorschlägen aus der Mitgliedschaft, feierlich geweiht.

2011

Leider ist die Kegelabteilung wieder aus der Familie ausgeschert und seit 1.7.2011 ein eigenständiger Verein. Grund – die versprochene und immer noch auf sich warten lassende neue Halle mit entsprechend großer Kegelbahn.

Wenn man nun so die Festzeitschrift einmal überfliegt und sich etwas zu Gemüte führt, sind sowohl sportliche Erfolge zu ersehen aber auch nicht ganz so erfolgreiche Bewerbe, ja sogar Niederlagen. All das gehört halt

zu einem, zu seinem, zu meinem Verein. Nur wer in sportlicher Art und Weise versteht sein Leben zu meistern und es auch so lebt, passt in die Gesellschaft und wird von dieser auch entsprechend gut aufgenommen und respektiert. Da gehört natürlich auch mal dazu seinen Kopf durchzusetzen, die Ärmel hochkrempeln und die Ellebogen zu nutzen. Nur Foulspiel ist ein schlechter Ratgeber.

Wenn Sie also weiterhin fit und vital bleiben möchten, die Kinder oder Enkel nicht wissen was sie, außer am Computer zu sitzen, mit ihrer Zeit anzufangen? Hier beim Sportbund Versbach ist jeder gern gesehen. Hier ist für jeden Platz. Bei uns sind sie in allen neun Abteilungen gut aufgehoben. Hier ist für jeden was im Angebot.

Und wenn’s schon hie und da etwas zickt und zwackt. Auch für die sog. Senioren ist gesorgt. Schaun sie mal auf Seite 31 der Festschrift. Da fehlt es sich an nix! Oder singen Sie mit in der Xanxgrubbe der Faschingsgesellschaft.

2012

In diesem Sinne und mit einem herzlichen Glückwunsch für das Geburtstagskind möchte ich mich nun verabschieden.

Ich entschuldige mich nochmals bei allen hier nicht namentlich Genannten und wünsche Alles, alles Gute weiterhin und „Gut Sport“, „Hipp Hipp Hurra“!

Der Chronist, Albin Reichert

Versbach, den 19. 8. 2012